Unser Adventskalender 2009

Alles was die Welt (nicht) braucht

Unser Adventskalender 2009

Beitragvon Laeusel » Di Dez 01, 2009 7:52 am

Halli Hallo,

dann will ich mal die schöne Tradition unseres Adventskalenders wieder
aufleben lassen und öffne hiermit das erste virtuelle Türchen.

Derjenige der jeweils täglich als erster in den Thread schaut
darf etwas weihnachtliches in den Thread schreiben.
Ein Gedicht, eine Geschichte, ein weihnachtliches Rezept,
ein Liedtext, ein Bild oder oder oder......

Viel Spaß dabei. :D



Türchen 1

Adventszeit

Weiße Winterlandschaft, Schneeflocken und Kerzenlicht,
Warten auf`s Jesuskind, das die finstere Nacht durchbricht,
sehnsüchtige Erinnerungen an längst vergangene Kindertage,
an Oma`s spannende Geschichten und auch manche Sage.

Gespanntes Erwarten und Verzücken in den Kinderaugen,
volle Schaufenster und z.T. Geschenke, die wenig taugen,
Lametta, Kugeln, Lichterketten und üppiges Glitzern überall,
Autoschlangen, verstopfte Straßen und weiterer Schneefall.

Der Glühwein am Weihnachtsmarkt - bei der Kälte ein Genuß -
und quer über die Straße wechselt man einen schnellen Gruß.
Bunte Glocken, rote Weihnachtssterne und Rauschgoldengel,
an Mutters Hand zwei kleine, quängelnde, rotznasige Bengel.

In den Konditoreien und zuhause bäckt man eifrig Plätzchen
und auf dem Sessel schnurrt dabei zufrieden ein Kätzchen.
Beim Orangenversand bestellt man rechtzeitig Mandarinen
und wäscht unter Murren noch schnell die ganzen Gardinen.

Am Marktplatz ein Standkonzert, kalte Füße und rote Nasen,
ein kurzes Verweilen – leider zu wenig besinnliche Phasen -!
Kath. Kirchen bieten früh bei Kerzenschein Rorateämter an
und festliche Weihnachtskonzerte stehen auf dem Programm.

Die Weihnachtsfeiern haben ihren festen Platz im Kalender
und erste weihnachtliche Weisen kommen über den Sender.
In den Geschäften vor Weihnachten Trubel u. Hektik überall,
volle Einkaufstaschen – die Kassen klingeln auf jeden Fall.

Genervte Mütter, Verkäuferinnen, überforderte Hausfrauen,
die vor dem Fest noch einmal nach dem Rechten schauen.
Die Winterreifen wurden inzwischen auf das Auto montiert
und die Geschenke werden mit Papier u. Schleife verziert.

Am Futterhäuschen tummeln sich gern ganze Vogelscharen –
zumindest dieses Bild ist gleich geblieben seit vielen Jahren.
Die meisten Menschen hasten und wirken auf mich gehetzt –
doch wo bleibt der weihnachtliche Seelenfriede zu guter Letzt?




Kardamom
Elettaria cardamomum

Die Pflanze:
Die buschig-krautige Pflanze, eine Verwandte des Ingwers, schiebt aus einem verdickten
Wurzelstock kräftige Stängel mit leuchtend grünen, lanzettförmigen Blättern, die wie
Palmwedel angeordnet sind. Sie werden 2,0 bis 2,5 m hoch. Am Fuß der Kardamom-
Pflanze sprießen aus einem besonderen ca. 60 cm langen, flach über dem Boden
kriechenden Seitentrieb zahlreiche, in einer Rispe stehende blassgrünbläuliche Blüten mit
gelbem Rand. Sie bringen schließlich grünlich graue bis gelblich grüne, dreifächerige,
dreieckige 10 bis 20 mm lange und 8 bis 10 mm breite Samenkapseln zur Reife. In jedem
Fach befinden sich 4 bis 8 enggeschichtete, unregelmäßig vereckte, graubraune bis
rötlichbraune Samen von etwa 2 bis 4 mm Durchmesser.

Heimat und Verbreitung:
Die tropischen Bergwälder Süd-Indiens und Sri Lankas (früher: Ceylon) sind die Heimat der
Kardamom-Pflanze. Auch heute noch sind die Provinzen Kerala, Mysore und Madras im
südlichen Indien das Hauptanbaugebiet. Außerdem kommt Kardamom noch in
nennenswerten Beständen in Malaysia, Kambodscha, Tansania und Guatemala vor.


Anbau und Gewinnung:
Kardamom braucht ein feuchtwarmes tropisches Klima und gedeiht am besten im Schatten
teilweise abgeholzter Wälder. Man erntet die noch grünen Samenkapseln kurz vor der
Reife und trocknet sie vorsichtig. Kardamom kommt meistens gemahlen in den Handel.
Werden die Fruchtkapseln mit gemahlen. muss das Gewürz als „in der Schale gemahlen"
bezeichnet werden.

Das Gewürz und seine Verwendung:
Das überaus feine und charakteristische Aroma und der süßliche, kräftig brennende und an
Eukalyptus erinnernde Geschmack machten Kardamom zu einem der beliebtesten und
deshalb teuersten und edelsten Gewürze. Mit ihm würzt man hauptsächlich Brot und
Backwaren, Süßspeisen, Obstspeisen und süßliche Marinaden. Außerdem ist Kardamom in
Wurstgewürzmischungen enthalten und Bestandteil vieler Curry-Pulver. Die
Getränkeindustrie verwendet Kardamom zum Aromatisieren alkoholischer Getränke. In
Arabien findet man als besonderes Charakteristikum den Kaffee häufig mit Kardamom
verfeinert.

Geschichtliches:
Das kostbare Gewürz wurde schon im Altertum aus Indien importiert und soll lange vor
Christus in Babylon angebaut worden sein. Um 1200 kam es nach Mitteleuropa und gehört
seitdem auch hier zu den begehrtesten Gewürzen.
Ciao
Laeusel 8-)

"Ich habe nie groß darüber nachgedacht, wie ich sterben werde.
Aber anstelle von jemandem zu sterben, den man liebt, scheint
mir ein guter Weg zu sein, um zu gehen."
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Beitragvon Laeusel » Mi Dez 02, 2009 7:50 am

Türchen 2


Rudolph mit der roten Nase

Rudolph wurde im Jahre 1939 von dem Werbetexter Robert L. May erfunden.
Rudolph , das Red-Nosed-Reindeer (Rudolph mit der roten Nase) das den
Schlitten von Santa Claus (Weihnachtsmann) zieht.
Robert L. May hatte damit ein Rentier geschaffen das heute von Weihnachten
nicht mehr wegzudenken ist.
Ciao
Laeusel 8-)

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Beitragvon Laeusel » Do Dez 03, 2009 7:47 am

Türchen 3


Lametta

Immer zur Weihnachtszeit
Sind Tannen dem Fest geneigt
Hängen Engel einen funkelnden Schein
Und nen Duft über jedes Bäumelein

Wehet das Gold der Hügel
In den Zweigen zwinkert das Licht
Ummanteln Blüten die Feierlichkeit
Liegen Wünsche auf dem Gabentisch bereit

Aus silbernen Gwändern
Flimmert Freude geschmückt
Stolz mit Lametta erleuchtet
Die Tanne als Bote des Glücks

In derselben Nacht
Sich um den Baum versammelt
Im Reigen die Familie singt
Fassen sich alle an den Händen
Sind beglückt



Ihr Kinderlein kommet

"So, das hätten wir wieder geschafft!" sagte Kaplan Christoph Schmid und setzte einen
dicken Punkt hinter eine Kindergeschichte. Wie viele er in den letzten Jahren geschrieben
hatte, wußte er nicht zu sagen. Aber er hatte noch eine besondere Überraschung bereit ...

Eine schwarze Fellmütze über die Ohren gestülpt, machte er sich auf den Weg zur Kirche.
Ein eisiger Wind wirbelte die Schneeflocken durch die Gassen des bayrischen Dorfes
Thannhausen an der Mindel. Den Leuten blieb fast der Atem weg. In der Dorfkirche war
von dem rauhbeinigen Winterwetter des Jahres 1794 nicht viel zu merken, nur ab und zu
rüttelte der Wind an den Kirchenfenstern. Die jungen, die in der Sakristei eine Krippe
bastelten, spürten kaum etwas davon. Das habt ihr aber schön gemacht", lobte der
Kaplan. "Die Krippe werden wir in der Mitte aufstellen und dann bis zum Dreikönigstag
stehen lassen. Da werden eure Eltern Augen machen. Und die Ohren werden sie spitzen,
wenn sie das Lied hören, das vor ihnen noch kein Mensch gehört hat. Für euch, für alle
Kinder dieser Welt habe ich die Worte gedichtet."

Der Kaplan Christoph Schmid - er war damals 26 Jahre alt - holte einen Zettel aus seiner
Brusttasche und las: "Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all!’ Wenig später schmetterten
die Thannhäuser Mädchen und Jungen zum ersten Male nach einer Melodie
des Komponisten Johann Abraham Schub das neue Weihnachtslied in die Nacht hinaus.
Ciao
Laeusel 8-)

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Beitragvon Marion » Fr Dez 04, 2009 11:05 pm

Türchen 4



Vorweihnachtstrubel Bild


Grüner Kranz mit roten Kerzen,
Lichterglanz in allen Herzen,
Weihnachtslieder, Plätzchenduft,
Zimt und Sterne in der Luft.
Garten trägt sein Winterkleid,
wer hat noch für Kinder Zeit?



Leute packen, basteln, laufen,
grübeln, suchen, rennen, laufen,
kochen, backen, braten, waschen,
rätseln, wispern, flüstern, naschen,
schreiben Briefe, Wünsche, Karten,
was sie auch von Dir erwarten.



Doch wozu denn hetzen, eilen?
Viel schöner ist es zu verweilen
und vor allem dran zu denken,
sich ein "Päckchen" Zeit zu schenken.
Und vor allem lasst noch etwas Raum,
für das Christkind unterm Baum.
......we're only human !!!!!! Bild
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Beitragvon Marion » Sa Dez 05, 2009 11:43 am

Türchen 5


Engelsaugen !!!! Bild



Zutaten für 45 Stück:

--------------------------------------------------------------------------------
150 g Mehl
--------------------------------------------------------------------------------
50 g Zucker
--------------------------------------------------------------------------------
1 Prise Salz
--------------------------------------------------------------------------------
1 St. Vanilleschote
--------------------------------------------------------------------------------
40 g gem. Haselnüsse
--------------------------------------------------------------------------------
100 g Butter
--------------------------------------------------------------------------------
1 Stck. Eigelb
--------------------------------------------------------------------------------
2 EL Puderzucker
--------------------------------------------------------------------------------
75 g Gelee (z.B. Himbeer)
--------------------------------------------------------------------------------


--------------------------------------------------------------------------------
Zubereitungszeit: 30 Minuten
--------------------------------------------------------------------------------
Kühlzeit: 60 Minuten
--------------------------------------------------------------------------------
Backzeit: 10 - 12 Minuten
--------------------------------------------------------------------------------






Mehl, Zucker, Salz, Vanilleschote und gem. Haselnüsse in eine Schüssel geben. Butter in Flöckchen und Eigelb zufügen. Erst mit Knethaken, dann mit den Händen rasch zu einem glatten Teig verarbeiten. 60 Minuten zugedeckt kalt stellen. Teig zu einer Rolle (ca. 2 cm Durchmesser) formen, 1 cm Scheiben abschneiden, Kugel formen.
Mit Kochlöffelstiel eine Mulde in die Kugel drücken. Plätzchen bei 150° backen, auskühlen lassen, mit Puderzucker bestäuben. Gelee erwärmen, glatt rühren, mit Teelöffel in die Mulde füllen, trocknen lassen. Bild
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Beitragvon Laeusel » So Dez 06, 2009 10:28 am

Türchen 6


Nikolaus


Metropolit von Myra, Wundertäter

* um 280/286 in Patara in Lykien, heute ein Ruinenfeld bei Kalkan (?)
+ 6. Dezember zwischen 345 und 351 in Myra, dem heutigen Kocademre bei Kale



Nikolaus trat in das seiner Heimatstadt nahgelegenen Kloster von Sion ein
und wurde um 300 zum Metropoliten von Myra geweiht. Während der
bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen
genommen und gefoltert. 325 nahm er am 1. Konzil von Nicäa teil.

Verbreitete Legenden über Nikolaus erzählen: In einer verarmten Familie
konnte er durch gezielte Geldgeschenke, die er heimlich durchs Fenster
und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern,
dass der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste. Drei
zu Unrecht zum Tod Verurteilte konnte er retten, indem er im Traum dem
Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat; in anderer Version rettete sie
Nikolaus, indem er das Schwert des Henkers abwehrend ergriff. Um ein in
Seenot geratenes Schiff mit drei Pilgern, die von Ephesus ausfuhren und
das für eine christliche Kapelle bestimmte heilige Öl in den Diana-Tempel
zurückzubringen sollten, zu retten, begab er sich an Bord, stillte den
Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen. Drei Jungen fielen auf
der Suche nach Arbeit dem Metzger in die Hände, der sie in ein Pökelfass
steckte und zu Wurst verarbeiten wollte; sie waren schon zerteilt, als der
Bischof davon erfuhr und sie wieder zum Leben erweckte. Vom 15. Jahrhundert
an verbreitete sich die Legende von den Getreidehändlern:
Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra von jedem der für den Kaiser
in Rom bestimmten Schiffe nur 100 Scheffel und versicherte, dass durch
sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde, was sich
bewahrheitete; Nikolaus aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus
ernähren und sogar Saatgut austeilen.

Der Kult um Nikolaus entwickelte sich etwa 200 Jahre später in
Griechenland und kam dann zunächst in die slawischen Länder. Er wurde
einer der beliebtesten Volksheiligen mit vielen legendären Erzählungen,
die vor allem seine menschenfreundliche und hilfsbereite Art bezeugen.
Über die byzantinische Tradition wurde Nikolaus einer der am meisten
verehrten Heiligen Russlands, er folgt im Osten in der Verehrung
unmittelbar nach Maria. Nikolaus' zerbrochener leerer Sarkophag wird
noch heute in der wiederhergestellten Unterkirche von Demre von
Wallfahrern der Ostkirche verehrt. Im 6. Jahrhundert wurde Nikolaus in
der griechischen Kirche verehrt, in Rom zog der Kult im 8. Jahrhundert ein,
er verbreitete sich dann zunehmend auch in Mittel- und Südeuropa.
Um 980 entstand in Deutschland die ersten Nikolauskirche in Brauweiler.
Die 1087 von Piraten entwendeten Gebeine brachte man Ende des 11.
Jahrhunderts nach Bari und errichtete auf den Trümmern des
byzantinischen Gouverneurspalastes die monumentale Basilika S. Nicola,
die Papst Urban II. 1098 weihte. Als Translationstag gilt der 8. Mai, der in
Bari mit einem großen Unzug begangen wird. Zwischen dem 11. bis zum
16. Jahrhundert wurden diesseits der Alpen über 2.200 Kirchen nach dem
Heiligen Nikolaus benannt.

Nikolaus' Kult in Deutschland wurde im 10. Jahrhundert besonders durch
Kaiserin Thephanu, die griechische Ehefrau des Kaisers Otto II.,
gefördert. Schon damals entstand der Brauch, dass Nikolaus die Kinder
beschenkt. Grundlage hierfür war der Brauch des "Bischofsspieles" in
Klosterschulen, wo ein Schüler für einen Tag - zuerst am Tag
der "Unschuldigen Kindlein", dann am Nikolaustag - als "Bischof"
fungieren durfte.

Nikolaus gilt als Helfer in fast allen Schwierigkeiten. Die Volksfrömmigkeit
hat seinen Gedenktag mit reichem Brauchtum liebevoll bedacht, seit 1555
ist Nikolaus als Gabenbringer für Kinder belegt. Ansatzpunkte für
Brauchtum und seine zahlreichen Patronate finden sich in den Legenden.
Am Vorabend des Nikolaustages beschenkt er - oft zusammen mit seinem
Helfer, Knecht Ruprecht, die Kinder. Am Nikolausabend stellen Kinder ihre
Stiefel oder Strümpfe vor die Tür, diese werden über Nacht von Nikolaus
mit Süßigkeiten gefüllt. Der Weihnachtsmann mit weißem Bart und rotem
Gewand, der den Kindern am Heiligen Abend die Geschenke überreicht,
geht auf den niederländischen "Sinterklaas" zurück; für die weltweite
Verbreitung dieses Bildes von Nikolaus sorgte um die Jahrhundertwende
die Firma "Coca Cola", die ihn für Werbung in ihren Firmenfarben
benützte. In Bari wurde neben Kirchen und einem Platz auch das
moderne Fussballstadion nach ihm benannt. Auch in liberalen islamischen
Familien beschenkt "Noel Baba" die Kleinen.
Ciao
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Beitragvon Laeusel » Mo Dez 07, 2009 11:02 am

Türchen 7


Rudolph, das kleine Rentier

War einst ein kleines Rentier,
Rudolph wurde es genannt,
und seine rote Nase
war im ganzen Land bekannt.

Sie leuchtet Nachts im Dunkeln,
heller noch als ein Stern,
trotzdem war Rudolph traurig,
denn nicht einer hat ihn gern.

Dann an einem Nebeltag
kam der Weihnachtsmann,
" Rudolph, zeige mir den Weg,
führ den Schlitten an!"

Nun hat er viele Freunde,
überall ist er beliebt,
weil es nur einen Rudolph
mit `ner roten Nase gibt.
Ciao
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Beitragvon Laeusel » Di Dez 08, 2009 2:52 pm

Türchen 8


Zum Weihnachtsbaum

Friede war im Wald und jeder Baum beglückt
durch schöne reife Frucht, womit der Herbst beschmückt
die Äste all, daß jeder Zweig sich bieget
bis hoch hinauf, wo leis die Krone wieget.
Doch leider, wo’s zum Segen will gedeih’n,
da findet sich auch gern der Hochmut ein
und selbst der Neid. Und jeder wollt’ sich prahlen,
daß seine Frucht die schönste sei von allen,
und jeder hing an seine längsten Äste
als stolzes Aushängeschild der Früchte beste.
Es war ein herrlich Wogen bis zur Spitze,
ein Wetten, wer das beste wohl besitze. -

Nur eines litt im Wald viel Weh und Gram
und barg sich ins Gesträuch voll tiefer Scham.
Ein Tannenbäumchen war’s, gar schmächtig, schlank,
wohl aller Früchte, auch der ärmsten, blank,
und während andre stolz im vollen Prangen,
hatt’ es an seinem Stamm nur Nadeln hangen,
nur dunkelgrüne Nadeln, scharf und spitz;
sie stachen es, doch schärfer stach der Witz
der anderen und ihr Hohn, gar schal und widrig
dem schlichten Bäumchen, weil’s so arm und niedrig.
Es flüsterte der Wald sich in die Ohren
vom Taugenichts, der da umsonst geboren,
und warf ihm boshaft gar zu Spott und Schmach
die ersten gelben, dürren Blätter nach.
Das schnitt dem Bäumchen tief ins junge Herz,
es wollte schier vergeh’n in Leid und Schmerz
und weinte, tief bedrängt vom Weh, dem schweren,
das Harz heraus, die bittersten der Zähren.
So duldete das Bäumchen still und fromm.

Da zog hernieder durch den nächsten Dom
ein Engel aus des Himmels heiligen Hainen,
der sah den armen Dulder schmerzlich weinen.
Er ließ sich erdenwärts vom weiten Raum,
zur armen Tanne sprechen: "Liebster Baum!
Du warst bisher verachtet und verflucht,
doch tragen wirst du noch die schönste Frucht,
die je ein Baum getragen hier auf Erden,
du sollst der Baum der höchsten Freude werden."

Wie wurde jetzt der Himmel trüb und grau!
Es blies ein kalter Wind auf Heid’ und Au’,
er heulte durch den Wald voll wilder Hast
und rüttelte die letzten Frucht vom Ast.
O, bald war jeder Baum, der einst geprahlt,
der Frucht und Bätter bar, gar kahl und alt,
es fielen Flocken, und es krächzten Raben,
und sieh, der stolze Wald war wie begraben.
Nur jenes Bäumchen steht noch frisch und frei
und grünt und flüstert sanft wie einst im Mai. -

Und als die heilige Nacht gekommen war,
da schwebte durch den Wald die Engelschar
zum Bäumchen zart und trug es durch die Nacht
in festlich aufgegangener Strahlenpracht.


Peter Rosegger 1843 - 1918
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Beitragvon Pitchman in a Maze » Mi Dez 09, 2009 12:15 am

Türchen 9

Der Adpfent

Der Adpfent ist die schönste Zeit im Winter. Die meistn haben im Winter eine Grippe. Die ist mit Fieber. Wir haben auch eine, aber die ist mit Beleuchtung und man schreibt sie mit K. Drei Wochen vorm Christkindl stellt der Papa die Krippe im Wohnzimmer auf und meine kleine Schwester und ich dürfen dabei helfen. Viele Krippen sind fad, unsere aber nicht, weil wir haben mords tolle Figuren drin.

Ich habe einmal den Josef und das Christkindl aufn Ofen gstellt, damit sie es schön warm haben und es war ihnen zu heiß. Das Christkindl ist ganz schwarz wordn und den Josef hats zrissen. Ein Haxn von ihm ist bis in den Keksteig geflogen und es war kein schöner Anblick. Meine Mama hat ma a Fotzn gegeben und gesagt, dass net amal de Heiligen vor meiner Blödheit sicher san. Wenn Maria ohne Mann und ohne Kind herumsteht, schaut des net guat aus.

Aber ich habe Gottseidank viele andere Figuren und der Josef ist jetzt der Donald Duck. Als Christkindl wollte ich den Asterix nehmen, weil der als einziger so klan ist, dass er in den Futtertrog passt. Da hat aber meine Mama gesagt, da Asterix is koa Christkindl, da is des schwarze Christkindl noch gescheiter. Es ist zwar verbrannt, aber immerhin a Christkindl. Hinterm Christkindl stehen 2 Oxn, ein Esel, ein Nilpferd und ein Brontosaurier. Weil dass de Oxn und der Esel net so allein san.

Links neben dem Stall kommen gerade die heiligen drei Könige daher. Ein König ist dem Papa im letzten Adpfent beim Putzen abigefallen und er war dodal hin. Jetzt haben wir nur mehr zwei heilige Könige und einen heiligen Batman als Ersatz. Normal haben die heiligen Könige eine Haufen Zeug fürs Christkindl dabei, nämlich Gold, Weihrauch und Püree. Von den unseren hat einer stattn Gold a Kaugummipapierl dabei, das glänzt a so schön. Der andere hat a Malboro in der Hand, weil wir keinen Weihrauch haben. Aber die Malboro raucht auch schön, wenn man sie anzündet. Der heilige Batman hat a Pistole dabei. Des is zwar kein Geschenk fürs Christkindl, aber er kann es vorm Saurier beschützen. Hinter den drei Heiligen sind ein paar rothäutige Indianer und ein kaasiger Engel. Dem Engel fehlt ein Fuß, darum haben wir ihn auf ein Motorrad gesetzt, damit er sich leichter tut. Mit dem Motorrad kann er fahren, wenn er nicht gerade fliegt.

Rechts neben dem Stall haben wir ein Rotkäppchen hingestellt. Sie hat eine Pizza und drei Flaschen Gösser für die Oma dabei. Einen Wolf haben wir nicht, darum lurgt hinterm Baum eine Sau als Ersatzwolf hervor. Mehr steht in unserer Krippe nicht. Aber das reicht voll. Am Abend schalten wir die Lampen ein und dann erst ist unsere Krippe richtig schön. Wir sitzen so herum und singen Lieder vom Adpfent... Manche gefallen mir, aber die meisten sind mir zu fad. Mein Opa hat mir ein Lied vom Adpfent gelernt, das geht so: "Adpfent, Adpfent, da Obstler brennt. Erst saufst oan, daun zwoa, drei oder vier, daun hauts' de mit da Birn' auf Tür!" Obwohl dieses Gedicht recht schön ist, hat Mama gesagt, dass ich es mir nicht merken darf (der Papa singts aber auch oiwei!).

Bis man schaut ist der Apfent vorbei und Weihnachten auch und so geht das Jahr dahin. Aber eins ist gwiss: Der Adpfent kommt bestimmt!

Schüleraufsatz
Unser Leben ist viel schwerer als das unserer Vorfahren,
weil wir uns so viele Dinge anschaffen müssen,
die uns das Leben erleichtern.
(Gabriel Laub)
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Beitragvon Laeusel » Fr Dez 11, 2009 8:30 am

Türchen 10


Und trotzdem wird es Weihnachten

Wieder Weihnachten!
Und immer das gleiche:
Hektik und Gereiztheit,
Einkaufen, viel Arbeit
mit Weihnachtsgebäck,
Lichterketten, Lametta,
Geschenke verpacken,
Weihnachtslieder und
Kerzenschein überall!
Jedes Jahr das gleiche?
Nein, dieses Mal nicht!

Das Rattern von Panzern,
Schüsse, die fallen, Angst,
viel Elend, Tod und Trauer,
Verzweiflung und Schmerz,
Hunger, große Armut, Not,
noch immer Krieg – und
leider kein Ende in Sicht!
Und trotzdem wird es Weihnachten!

Plötzliche Arbeitslosigkeit,
kein Arbeitsplatz in Sicht,
Ratlosigkeit, sinkender Mut,
Resignation, Wortkargheit,
Hoffnungslosigkeit, Trauer,
zermürbende Langeweile,
kein Geld für Geschenke!
Und trotzdem wird es Weihnachten!

Studium mit gutem Examen
und jetzt im Regen stehen,
vierzig Bewerbungen und
dennoch keine Zusage
für den erstrebten Beruf,
die ganze Mühe vergeblich,
Enttäuschung und Frust.
Und trotzdem wird es Weihnachten!

Plötzlich ein Schlaganfall
und an das Bett gefesselt,
unfähig, das Nötigste zu tun,
abhängig von Medikamenten,
den Angehörigen, Ärzten und
anderen fremden Menschen,
ohne Hoffnung auf Besserung.
Und trotzdem wird es Weihnachten!

Scheidung - plötzlich allein,
den geliebten Menschen an
jemanden anderen verloren,
Verlassenheit, Einsamkeit,
Selbstzweifel und auch Wut,
dadurch in Armut geraten,
offene Fragen an das Leben.
Und trotzdem wird es Weihnachten!

Das geliebte Kind verloren,
kaum daß es am Leben war -,
nachts plötzlicher Kindstod,
warum nur, warum wir?
Schock, Depression, Schmerz,
unsagbarer Verlust, Trauer,
ein Gefühl wie amputiert.
Und trotzdem wird es Weihnachten!

Etwas ausgefressen und
deshalb im Knast gelandet,
viel Zeit jetzt, nachzudenken,
aber auch zu verzweifeln,
die Tat nicht ungeschehen
machen zu können, leiden,
sich schämen, Zukunftsangst.
Und trotzdem wird es Weihnachten!

-----------------

Trotz allem Schweren und Leid,
allen Sorgen und Problemen,
sind tiefe Sehnsüchte in uns,
Wünsche nach Freundschaft,
Liebe, Geborgenheit, Verstehen,
Angenommenwerden, Glück,
Gesundheit, Wohlbefinden und
Frieden in uns und in der Welt.

Diese Sehnsüchte und Wünsche,
unsere Hoffnung danach, werden
oft zugedeckt von Hektik, Konsum
oberflächlichen Genüssen, Arbeit,
Geschenken, Weihnachtsrummel.
Wir haben verlernt, sie zu spüren
oder die unserer Mitmenschen
und nach ihrer Erfüllung zu suchen.

Vielleicht wird dieses Weihnachten
anders, wenn wir ehrlich zu uns sind,
unsere Sehnsüchte erkennen und
akzeptieren und aus dieser Ehrlichkeit
heraus den Mut finden, fähig werden,
unseren Mitmenschen weihnachtlich
nahe zu sein. Dazu brauchen wir
kein sichtbares Weihnachtsgeschenk.
Ciao
Laeusel 8-)

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Beitragvon Laeusel » Fr Dez 11, 2009 8:32 am

Türchen 11

Die Weihnachtselfe

"Elfriede! Wirst du wohl aufpassen! Im Unterricht wird nicht geredet!" Oh je, Frau Schulmeister kreischt ja durchs Klassenzimmer, als ob wir taub wären! Dabei haben ich und Jenny uns so leise unterhalten, dass keiner gestört wurde und wir Frau Schulmeister auch mühelos verstanden. Sie hätte echt nicht so brüllen müssen. Aber wir passen jetzt lieber auf, sonst bekommen wir am letzten Schultag noch eine Verwarnung. Nach endlosen fünf Minuten klingelt es endlich. Frau Schulmeister will uns aber anscheinend bis Weihnachten hier behalten und erklärt: "Da einige Schülerinnen sich diese Stunde nicht ganz korrekt verhalten haben," ich frage mich, warum sie uns beide so anguckt, "bekommt ihr noch ein wenig Hausaufgaben, damit euch über die Feiertage nicht langweilig wird."

Die ganze Klasse stöhnt, als Frau Schulmeister die Aufgaben an die Tafel schreibt. Das kann ja heiter werden! Dabei habe ich gerade zu Weihnachten soviel zu tun. Ich bin nämlich eine Elfe! Genauer gesagt eine Weihnachtselfe. Ihr seid überrascht? Ach, stimmt ja, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Mein Name ist Elfriede, ich bin eine Weihnachtselfe und lebe beim Weihnachtsmann mit vielen anderen Elfen, jungen und alten, zusammen. Ich bin 135 Jahre alt. Das sind ... ähm ... ungefähr 9 Menschenjahre, oder so. Im Rechnen war ich noch nie gut. Das ganze Jahr über müssen wir zur normalen Schule gehen. Und in den Ferien müssen wir eine Elfenschule besuchen. Denn eigentlich sieht man es uns nicht an, dass wir Elfen sind, aber wir haben kleine, spitze Ohren und schwache Zauberkräfte (die mit der Zeit stärker werden). Kurz vor Weihnachten bekommen wir normalerweise schulfrei. Nur diesmal nicht, da die richtigen Ferien schon 7 Tage vor Weihnachten beginnen. Mehr hätten wir auch nicht bekommen. Du willst jetzt sicher noch wissen, wo wir während der Schulzeit leben? Nun, alle kleinen Elfen (so zwischen 90 und 225) leben zusammen in einer Wohnung. Ist ein bisschen eng, aber richtig witzig! Sina, eine alte Gnomin, kümmert sich ganz toll um uns! Tja, jetzt sieht es so aus, als wäre ich während der Ferien schwer beschäftigt. Denn als Weihnachtself muss ich natürlich helfen Geschenke zu machen, zu verpacken und alles vorzubereiten. Und natürlich die ganzen Hausaufgaben! 20 Minuten später treffe ich mich mit allen anderen Elfen, die auch hier zur Schule gehen.

Hinter dem Wald, der an die Schule grenzt, steht schon der Schlitten. Schnell steigen wir ein und los geht die Fahrt! Der Nordpol ist nämlich ganz schön weit weg. Aber nach mehreren Stunden kommen wir schließlich an, durchgefroren und eingeschneit. Aber wir sind da! Der Weihnachtsmann steht auch schon bereit, um uns zu begrüßen. Wie haben wir ihn vermisst! Schnell umarmen wir ihn alle, aber dann geht's an die Arbeit! Wir wollen schließlich rechtzeitig fertig werden. Wunschlisten lesen, Geschenklisten schreiben (für die Elfen in der Werkstatt), Geschenke bauen, Geschenke verpacken. So geht es die ganz nächste Woche. Manchmal wird es mir zu anstrengend und ich habe überhaupt keine Lust mehr, dann setzte ich mich in eine Ecke. Dort bleib ich dann ein bisschen sitzen, bis Rudolphine, eine Eisbärin, kommt und mich aufmuntert. Denn alle Elfen müssen mithelfen. Leider geht nicht immer alles so glatt.

Drei Tage später kommt es zum ersten Zwischenfall. Irgendein junger Elf hat dieGeschenkmaschine für Figuren mit zwei Listen auf einmal gefüttert. Aber das war zuviel für die Maschine, schließlich ist sie schon über 800 Jahre alt. Sie bringt noch kurz einen Puppenkörper mit einem Astronautenhelm raus, dann keucht und würgt sie nur noch. Dann ist alles still. In der ganzen Werkstatt hört man nur noch das leisere Summen der neueren Maschinen und das Hämmern einiger Elfen. Da nun aber das lauteste Geräusch verstummt ist, wird es in der ganzen Halle totenstill, und alle scharen sich um die Geschenkmaschine.
JuniorElf, der junge Elf, der dieses Jahr für die Geschenkmaschine zuständig ist, rennt laut rufend aus der Halle. "Weihnachtsmann, Weihnachtsmann! Komm schnell, die Geschenkmaschine ist kaputt!!!" Kurz darauf ist der Weihnachtsmann da. Kritisch untersucht er die Maschine während alle Elfen gespannt darum herum stehen. Hoffentlich ist es nichts schwerwiegendes, denn ohne die Maschine würden wir es nie schaffen, alle Figuren herzustellen. Nachdenklich beendet der Weihnachtsmann seine Untersuchung, dann erklärt er mit fester Stimme: "Alle Elfen zurück an die Arbeit!!! Elfriede , du holst Svenni, er kennt sich mit Maschinen aus! Luisa, du bleibst auch da!" Geschwind flitze ich los, um Svenni zu suchen.

Als wir wieder zurück kommen, sind der Weihnachtsmann und Luisa schon bei der Arbeit. Das heißt, Luisa berichtet dem Weihnachtsmann, was an der Maschine kaputt ist. Das ist nämlich ihre Zauberkraft. Sie versteht alle, ob Menschen, Tiere, Pflanzen oder sogar Maschinen (allerdings nur die vom Weihnachtsmann). Mit ihrer Hilfe hat Svenni (dessen Zauberkraft sich mit Reparaturen und Maschinen aller Art befasst) bald den Fehler behoben. Alle atmen auf, denn jetzt schaffen wir vielleicht noch unseren Zeitplan. Das nächste Unglück ereignet sich am Abend vor Weihnachten. Ich bin zurzeit dabei, Geschenke zu verpacken und den Namen von dem jeweiligen Kind drauf zu schreiben. Ist ganz schön anstrengend, man muss sehr aufpassen. Tja, wir arbeiten da so schön, doch plötzlich hören wir Fred (der Elf, der für die Rentiere zuständig ist) rufen: "Weihnachtsmann, schnell!!! Reni ist abgehauen!" Reni ist ein Rentier, der Bruder von Rudolph (kennt ihr sicher). Der Weihnachtsmann ist auch schon da, er winkt mir und ruft: "Elfriede, Mira, kommt mit! Aber nur ihr!!!" fügt er hinzu, als einige kleine Elfchen hinterher laufen wollen. Draußen erklärt er uns die Lage: Reni
wollte dieses Jahr auch den Schlitten ziehen, aber er ist zu klein, außerdem sind alle anderen Rentiere einsatzbereit. Darum ist er abgehauen. "Elfriede, du fliegst los und versuchst, ihn zu finden. Melde dich, wenn du ihn siehst." Damit gibt es uns beiden ein Funkgerät. "Mira, flitz los, du bist die einzige, die ihn zu Fuß einholen kann. Ich werde mit dem Schlitten selbst suchen."

Schon erhebe ich mich in die Lüfte und sehe noch, wie aus Miras Schuhen Skier werden, dann bin ich weg. Einige Zeit fliege ich in der Dunkelheit, ohne irgend etwas zu sehen. Selbst wenn er direkt unter mir wäre, würde ich ihn nicht erkennen. In diesem Augenblick tauchen hunderte kleiner Glühwürmchen auf, die mich umschwirren und mir so das nötige Licht schenken. Dankbar lache ich ihnen zu. Nach einiger Zeit höre ich unter mir Hufe. Ob er das ist? Mit einer Handbewegung schicke ich ein paar Glühwürmchen nach unten. Zum Sprechen ist es zu kalt. Und tatsächlich: da unten läuft Reni. Schnell verringere ich meinen Höhenflug, bis ich direkt über ich fliege. Dann greife ich blitzschnell nach seinem kleinen Geweih. Erschrocken bleibt er stehen. Ich lande neben ihm. "Hey, Reni, warum bist du weggelaufen? Wir suchen dich alle!" Reni hört sich ganz traurig an, als er antwortet: "Rudolph ist doch damals auch weggelaufen, dann wurde er doch auch ein Schlittenrentier. Ich hab gedacht, bei mir ist das genauso." "Ach Reni, du bist halt noch klein. Nächstes Jahr darfst du bestimmt mitfliegen!" Damit hole ich mein Funkgerät raus und benachrichtige den Weihnachtsmann. Zehn Minuten späten sind wir wohlbehalten wieder zurück. Reni kommt in seinen Stall und ich mache mich wieder an die Arbeit.

Am nächsten Morgen erwartet uns allerdings noch eine unliebsame Überraschung: Toppsi , ein anderes Rentier, ist erkältet, ebenso wie die Ersatzrentiere. Es scheint, als könnte die Schlittenfahrt nicht stattfinden, denn zu sechst packen die anderen den Schlitten nicht. Zum Glück kommt Joungi , eine unsere jüngsten Elfen, auf eine gute Idee: Reni
soll doch fliegen! Alle sind damit einverstanden, am meisten Reni . Der ist ganz aus dem Häuschen, dass er in der zweiten Reihe fliegen darf, neben Jenny und hinter Rudolph. Am Abend ist es dann soweit: Der Schlitten ist gepackt, die Rentiere angeschirrt und alle Elfen stehen als Abschiedskomitee bereit. Dann fliegen sie los. Wir alle rufen noch im Chor hinterher: "FRÖHLICHE WEIHNACHTEN!!!" Ganz bestimmt hast du schon mal in der Ferne diesen Ruf gehört. Das waren wir. Also, noch fröhliche Weihnachten an euch alle!!! Und (vielleicht) bis zum nächsten Jahr!
Ciao
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Beitragvon Laeusel » Mo Dez 14, 2009 7:56 am

Türchen 12


Weihnachten

Wie jedes Jahr ist’s an der Zeit,
dass man Weihnachtsgrüße schreibt.

Ich grüße Euch auch dies’ Jahr wieder
und schreib hier meine Wünsche nieder

Ich wünsche Euch von ganzem Herzen
ein Fest mit vielen leuchtenden Kerzen

Die Kerzen sollen nicht nur leuchten am Baum
ihr Strahlen soll erfüllen Zeit und Raum

tragt den hellen Schein mit Würde
und legt ab des Alltags Bürde

seid froh und glücklich alle Tage
und nehmt das Leben nicht als Plage

jedes Ende kann ein Anfang sein
zieht ins neue Jahr mit Freude ein

nun bitte ich zum Schluss Euch noch
freut Euch an kleinen Dingen noch

nehmt nichts als Selbstverständlichkeit
und seid fürs kleine Glück bereit
Ciao
Laeusel 8-)

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Beitragvon Laeusel » Mo Dez 14, 2009 7:59 am

Schade das hier sonst kaum jemand mitmacht..... :(



Türchen 13


Weihnachtsmärchen

In einem Häuschen am Eingang eines Waldes lebte ein armer Tagelöhner, der sich mit Holzhauen mühsam sein Brot verdiente. Er hatte eine Frau und zwei Kinder, ein Knäblein und ein Mägdlein. Das Knäblein hieß Valentin und das Mädchen Marie, und sie waren gehorsam und fromm zu der Eltern Freude und halfen ihnen fleißig bei der Arbeit. Als die guten Leute eines Winterabends, da es draußen schneite und wehte, zusammen saßen, da pochte es leise an das Fenster, und ein feines Stimmchen rief draußen: "O lasst mich ein in euer Haus! Ich bin ein armes Kind und habe nichts zu essen und kein Obdach und meine, schier vor Hunger und Frost umzukommen. O lasst mich ein!"
Da sprangen Valentin und Mariechen vom Tisch auf, öffneten die Türe und sagten: "Komm herein, armes Kind, wir haben selber nicht viel, aber doch immer mehr als du, und was wir haben, das wollen wir gern mit dir teilen." Das fremde Kind trat ein und erwärmte sich am Ofen die erstarrten Glieder, und die Kinder gaben ihm zu essen, was sie hatten, und sagten: "du wirst wohl müde sein. Komm, leg dich in unser Bettchen, wir wollen auf der Bank schlafen."
Da sagte das fremde Kind: "Dank es euch mein Vater im Himmel." Sie führten den kleinen Gast in ihr Kämmerlein, legten ihn zu Bett, deckten ihn zu und dachten sich: "O wie gut haben wir es doch! Wir haben unsere warme Stube und unser Bettchen; das arme Kind aber hat gar nichts als den Himmel zum Dach und die Erde zum Lager." Als nun die Eltern zur Ruhe gingen, legten sich Valentin und Marie auf die Bank beim Ofen und sagten zueinander. "Das fremde Kind wird sich nun freuen, dass es warm liegt. Gute Nacht!"
Die Kinder aber hatten kaum einige Stunden geschlafen, da erwachte die kleine Marie und weckte leise ihren Bruder und sagte: "Valentin, wach auf, wach auf! Hör doch mal die schöne Musik vor unserem Fenster!" Da rieb sich Valentin die Augen und lauschte. Es war ein wunderbares Klingen und Singen, das sich vor dem Hause vernehmen ließ. Und ganz deutlich hörten sie die Worte:

Oh heil'ges Kind wir grüßen dich
mit Harfenklang
und Lobgesang.
Du liegst in Ruh, du heilig Kind;
wir halten Wacht
in dunkler Nacht.
O Heil dem Haus, in das du kehrst!
Es wird beglückt
und hoch entzückt!

Als die Kinder das hörten, befiel sie eine freudige Angst; sie traten ans Fenster um zu schauen, was draußen geschähe. Da sahen sie im Osten das Morgenrot glühen und vor dem Hause viele Kinder stehen, die goldene Harfen in den Händen hatten und mit silbernen Kleidern angetan waren. Erstaunt und verwundert ob dieser Erscheinung starrten sie zum Fenster hinaus. Da berührte sie ein leiser Schlag, und als sie sich umwandten, sahen sie das fremde Kind vor sich stehen. Das hatte ein Kleid an von funkelndem Gold und auf dem Haupte eine Krone und sprach zu ihnen: "Ich bin das Christkindlein, das in der Welt umherwandelt, um frommen Kindern Glück und Freude zu bringen. Ihr habt mich beherbergt diese Nacht, indem ihr mich für ein armes Kind hieltet, und ihr sollt nun meinen Segen haben." -
Da ging es mit den Kindern hinaus, brach ein Reislein von einem Tannenbaum, der am Hause stand, pflanzte es in den Boden und sprach: "Das Reislein soll zum Baume werden und soll euch alljährlich Früchte bringen." Und alsbald verschwand es mit den engeln. Das Tannenreis aber schoss empor und ward zum Weihnachtsbaum; der aber war behangen mit goldenen Äpfeln und Silbernüssen und blühte alle Jahre einmal.

Franz von Pocci, 1807 - 1876
Ciao
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Beitragvon Laeusel » Mo Dez 14, 2009 8:01 am

Türchen 14


Glühwein

Glühwein ist ein sehr beliebtes Getränk auf allen Weihnachtsmärkten.

Glühwein kann man sehr leicht und selber zubereiten.
Dazu nimmt man ein Teeglas voll körperhaltigem Rotwein und gibt diesen in einen
kleinen Topf. (Ein einfacher Rotwein tuts auch)

Dann gibts man ein kleines Stück Zimt, 2 bis 3 Gewürznelken und eine Zitronenscheibe
dazu. Dies erhitzt man (aber nicht kochen) und lässt es 2 - 3 Minuten ziehen. Dann seiht
man alles in ein vorgewärmtes Teeglas und serviert es.

Zucker stellt man seperat dazu, so kann man je nach Geschmack den Glühwein etwas versüssen.

Natürlich gibt es viele Varianten wie man einen Glühwein zubereiten kann.
Manche geben auch gerne Orangenscheiben dazu.
Oder wie beim Glögg (Schwedischer Glühwein), Mandeln und Rosinen.
Ciao
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Beitragvon Laeusel » Di Dez 15, 2009 11:46 am

Türchen 15


Ein Weihnachtstraum

Von Raureif und Eis verkrustete Bäume reckten sich neben der Weserbrücke und überdachten den Bürgerstieg mit gläsernen Zweigen. Frost und Schneesternchen hatten das Laubwerk mit einer glitzernden Schicht überzogen.
Wenn ein Windzug aufkam, klirrten die Eiszapfen an den Bäumen und die gefrorenen Blätter wie hunderte feiner Glöckchen.
Schnee fiel wie Puderzucker rieselnd auf die Stadt.
Fünf Tage noch, dann war es schon wieder mal Weihnachten.
Überall in der Innenstadt glitzerten und leuchteten die bunten Lichterketten, die von einer Straßenseite zur anderen gespannt waren.
„Was für eine Verschwendung“, dachte Maira. Sie saß unter der alten Weserbrücke und zog mit vor Kälte fast erstarrten Händen ihre weiche, wärmende Wolldecke bis zum Hals hoch.
Frostiger Wind pfiff jäh unter der Brücke hindurch und brachte weiße, glitzernde Sternchenschneeflocken mit.
Sie wurden von Mairas Gesicht aufgefangen und verloren dabei ihren glitzernden Zauber, da sie nur noch als kalter, feuchter Fleck auf der Haut liegen blieben.
Ein paar Eissterne rieselten von den Zweigen eines Kastanienbaumes und glitzerten im schwachen Mondschimmer. Die Wolldecke, die Maira vor einigen Tagen aus der Grabbelkiste eines Geschäftes geklaut hatte, wärmte sie ein wenig.
Maira träumte vor sich hin. Dabei kreisten ihre Gedanken um das Weihnachtsfest. Lange war es her, dass sie sich in einer fröhlichen, warmen Umgebung auf den Weihnachtsmann gefreut hatte. Sie schloss die Augen und überlegte.
Aber das Bild eines fröhlichen Weihnachtsfestes mit einem
bunt geschmückten Weihnachtsbaum in einer gemütlichen, herzlichen Umgebung wollte nicht so recht aus ihren Erinnerungen auftauchen und bei ihr bleiben. Immerzu veränderten sich die Bilder und ständig verwandelten sich die Weihnachtsbäume.
Sie sah einen bunten Weihnachtbaum, mit lila glitzernden Weihnachtskugeln und langem silbernem Lametta geschmückt.
Aber auch ein mit weißem und rotem Baumschmuck, brennenden Kerzen und goldenen Engelhaaren herausgeputzter Weihnachtsbaum kam in ihrer Erinnerung vor.
Ja, lange war es her. Bei wie vielen Pflegeeltern war sie gewesen, seit ihre Eltern tot waren? Warum musste sie immer wieder weg? Nie hatte sie etwas Böses getan.
Sie mochte nicht nachzählen, denn das machte sie traurig und das wollte sie nicht sein.
Es war ja schließlich bald Weihnachten und Weihnachten sollte man nicht traurig sein.
Für einen Moment kuschelte sie ihr Gesicht in die weiche Wolldecke. Grund zur Freude hatte sie doch – ihre Wolldecke, die so kuschelig und flaumig weich war wie eine streichelnde, liebkosende Hand.
Maira schaute auf. Eisiger Wind schlug ihr überraschend ins Gesicht, der Sturm war immer schlimmer geworden und wollte einfach nicht aufhören.
So kroch sie in einen Kühlschrankkarton aus fester Pappe, der irgendwie und irgendwann unter ihrer Brücke gelandet war.
Ein wenig schützte er vor dem beißenden Wind und den fliegenden weißen Schneesternchen.
Ihre Gedanken wanderten wieder in eine fröhlichere Zeit zurück, als sie noch träumend vor einem leuchtenden, glitzernden Weihnachtsbaum sitzen durfte und zuschaute, wie die Kinder ihrer Pflegeeltern fröhlich ihre bunten Weihnachtspakete auspackten.
Sie selber war immer schnell fertig mit dem Auspacken ihres Geschenkes, denn es war ja immer nur ein kleines Päckchen, das auf sie wartete. So blieb ihr viel Zeit, den anderen zuzuschauen, wie sie mit Freude ein Päckchen nach dem anderen auspackten.
Maira freute sich immer mit den Anderen, denn sie war ein guter Mensch.
Glockengeläute schreckte sie aus ihren wohligen Gedanken auf.
Aus der Innenstadt schickte der Sturm das festliche Läuten der Glocken der Mattiaskirche zu ihr herüber.
Durch ein kleines Loch in ihrem Karton schaute sie hinaus in die dunkle Nacht und beobachtete das Schneetreiben.
Zwischen den einzelnen Schneeflocken sah sie bunte, tanzende Lichterflecken, die tausendfach von den Lichterketten und den geschmückten Tannenbäumen der Anwohner herüber funkelten.
Maira wurde müde und legte den Kopf auf ein altes, feuchtes Kissen, von dem ein muffiger Geruch ausging.
Langsam entschwand das Glockengeläut der Kirche und Maira schwebte hinüber in einen ihrer unzähligen wundervollen Träume …
In ihrem Traum marschierte sie durch weiße Schneewehen und tanzte mit feinen Schlittschuhen fröhlich auf einem zugefrorenen See.
Um sie herum standen unzählige, wunderschön geschmückte Weihnachtsbäume.
Blinkende bunte Weihnachtssterne und farbenfrohe Weihnachtspäckchen flogen durch ihre Träume.
Edel eingepackte Weihnachtspäckchen, die vom dunklen, sternenbedeckten Himmel herabschwebten, landeten direkt vor ihren kleinen Füßen.
Freundliche Menschen schwebten auf sie zu, nahmen sie für kurze Zeit liebevoll in die Arme und bedeckten sie mit zärtlichen Küssen.
Schnell streckte Maira ihre Hände aus.
Sie wollte die Menschen festhalten, ganz doll festhalten, ja,
für immer festhalten, aber die Menschenbilder verblassten schnell, zerteilten sich in viele kleine Nebelwolken, die im dunklen Sternenhimmel verschwanden … …
Im nächsten Moment erschien aus dem Dunkel der Nacht ein großer, rot leuchtender Schlitten, der von vier kräftigen Rentieren gezogen wurde.
Zwei freudestrahlende Gestalten saßen im Schlitten und sangen wunderschöne, fröhliche Lieder.
Der eine war ein kleiner Wichtel in einem schillerndem, grünen Anzug und einer Regenbogenfarben, glitzernden Zipfelmütze.
Er reiste mit dem Weihnachtmann, der, wie immer um diese Zeit, seine rote, prächtige Weihnachtskleidung angelegt hatte.
Langsam glitt der Schlitten zu Maira herunter, wurde langsamer und hielt vor ihr an.
Lächelnd berührte der Weihnachtmann behutsam ihre kalte, blau gefrorene Hand und sogleich erstrahlte unter Maira ein silberner Sternenschweif, der sie sanft auf den schwebenden Schlitten zog.
Der kleine Wichtel deckte eine weiße, flauschige Sternenwolldecke über ihren stillen, kalten Körper.
Der Weihnachtmann streichelte zart und voller Liebe ihre blau gefrorenen Wangen.
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht griff er nach den Zügeln und die Rentiere setzten sich in Bewegung, dem dunklen Sternenhimmeln entgegen.
Maira reiste dort hin, wo es armen, kleinen Mädchen für immer gut ging – in ein besseres, wärmeres Leben.
Ihr wurde warm ums Herz, denn sie schwebte durch ein helles, wohltuendes Licht, das ihren Körper mit schimmernden, warmen Strahlen umhüllte.
Es war windstill geworden und durch die Morgendämmerung rieselte feiner Puderzuckerschnee

Eine feine Dame spazierte, in einen dicken weißen Plüschmantel gehüllt, mit ihrem Hund unter der Weserbrücke hindurch.
Ihr Hund lief zu einem alten Pappkarton und schubste ihn immer und immer wieder mit seiner Nase an.
Die feine Dame ging zu ihrem Hund und hob den durchweichten alten Pappkarton vorsichtig an.
Voller Entsetzen starrte sie in ein blauweiß angelaufenes Kindergesicht, das auf einem nassen, gefrorenen Kissen lag, zugedeckt mit einer feuchten Decke.
Ihre lilafarbenen Hände waren mit Raureif überzogen.
Ängstlich rüttelte und schüttelte die Frau das Kind.
Zögernd öffnete Maira die Augen und sah eine feine Dame, die wie eine Schneekönigin aussah, ihr die Hand reichte und liebevoll sagte: „Komm, steh auf mein liebes Kind, hier kannst du nicht bleiben.“
Maira dachte bei sich: „Sie ist nett, lächle, lächle noch ein einziges Mal für sie“, dann fiel ihr Kopf zur Seite.
Vorsichtig blinzelnd, hoben sich zwei bleischwere Augenlider.
Ein schwaches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
Mairas Hände tasteten über eine weiche, warme Bettdecke und ihre Augen schauten suchend umher. Sie befand sich in einem weißen Zimmer, an deren Wänden bunte Kinderbildern hingen.
Es roch eigenartig und um sie herum piepste, tickte und klapperte es leise. In einer schwebenden Nebelwolke erschien auf einmal eine liebenswürdig, lächelnde Dame und schaute sie freundlich an.
„Die Schneekönigin ist wieder da“, dachte Maira und die freundliche Dame flüsterte ihr zu: „Ich bin so froh, dass du wieder bei uns bist.“ Dabei streichelte sie liebevoll Mairas Kopf.

Heute, nach vielen Monaten, sitzt Maira zum zweiten Mal in einer liebevollen, warmen Umgebung unter einem bunten, glitzernden Weihnachtsbaum.
Um sie herum liegen viele kleine und große, farbige Weihnachtspäckchen und die meisten davon durfte nur sie auspacken, denn fast alle gehören ihr.
Eine feine Dame, die Schneekönigin von damals, hatte ihr ein neues Zuhause gegeben.
Maira lächelte, sie wusste, ein Karton würde nie mehr ihr Zuhause sein.
Sie würde für immer ein warmes und glückliches Leben haben und niemals mehr frierend unter einer frostigen Brücke sitzen müssen.
Ein leises Wimmern ließ sie aus ihren schönen Gedanken auftauchen.
Sie schaute zum Stuhl hinüber, dort lag ein kleiner, süßer Hund auf einer gewaschenen, kuscheligen, wärmenden Wolldecke.
Eine Wolldecke, von der sie sich nie im Leben trennen würde.
Verträumt schaute Maira zum Fenster hinaus, wo weißer Puderzuckerschnee auf die Welt hinab rieselte.



Autor: Monika Clemens
Zuletzt geändert von Laeusel am Di Dez 15, 2009 11:48 am, insgesamt 1-mal geändert.
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